Testament Erstellung in Österreich

Bewertungsnote

Erstellung eines Testaments in Österreich 

Alles was Sie zu dem Thema wissen sollten 

Den eigenen Nachlass zu Lebzeiten richtig zu planen, damit beschäftigen man sich nicht gerne. Doch gerade das Erstellen eines Testaments ist für die richtige Weitergabe des Vermögens sehr wichtig, um besonders juristischen Erbrechtsstreitigkeiten danach in der Familie vorzubeugen.

Grundsätzlich ist das Aufsetzen eines Testaments nicht schwierig, man sollte allerdings auf einige wesentliche Punkte achten um Fehler zu vermeiden. Insbesondere sollte man sich überlegen, welche Testamentsart die Richtige ist, welche Möglichkeiten es bei der Erstellung eines Testaments überhaupt gibt, wo ich mein Testament aufbewahren soll sowie zu welchem Zeitpunkt ich mein Testament überhaupt erstellen sollte und ob ich dafür einen Notar oder Rechtsanwalt benötige. Alle Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie hier.

Muss ich überhaupt ein Testament aufsetzen?

Gesetzliche ist man nicht verpflichtet ein Testament in Österreich aufzusetzen. Erstellt man kein Testament vor dem Ableben, dann tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Insbesondere bei komplizierten Vermögensverhältnissen, Familienbetrieben oder Liegenschaften im In- und Ausland empfiehlt es sich ganz besonders ein Testament rechtzeitig zu erstellen.

Ohne eines „letzten Willens“ entstehen schnell innerhalb der Familie Erbstreitigkeiten um das Erbe. Um dem Vorzubeugen sollten Sie die Weitergabe Ihres Vermögens bzw. ihren Nachlass richtig planen.

Wann sollte ich ein Testament aufsetzen bzw. erstellen lassen?

Keiner beschäftigt sich gerne mit Dingen nach dem eigenen Tod. Daher werden die meisten Gedanken rund um das eigene Testament gerne nach Hinten geschoben.

Ein Testament zu erstellen ist relativ einfach, insbesondere mit Hilfe eines Rechtsanwalts (oder Notars) und sichert Ihren Nachkommen eine geregelte Weitergabe Ihres Vermächtnisses. Die Planung für das Aufsetzen Ihres Testaments sollte, daher so früh wie möglich geregelt werden.

Wo bewahre ich mein Testament am Besten auf?

Ihr Testament sollte auf jedenfall an einem sicheren Ort und nicht einfach in der Schreibtisch Schublade aufbewahrt werden. Achten Sie darauf, dass Sie einen Ort finden an dem niemand schnell ran kommt und das Testament einfach vernichten kann.

Sollte jemand in der Familie das meiste Erbe erhalten, so besteht auch die Möglichkeit, es dieser Person zu übergeben. Eine andere Möglichkeit ist es dem Nachlassgericht zu übergeben oder Ihr Testament ins Testamentsregister eintragen zu lassen. In Beiden Fällen sollte Ihr „letzter Wille“ sicher verwahrt sein.

Benötige ich für mein Testament einen Notar oder Rechtsanwalt?

Gerade wenn es um komplizierte Familienverhältnisse, grosse Vermögensaufteilungen, um laufende Betriebsnachfolgen oder grosse Liegenschaften im Ausland geht, empfiehlt es sich einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen, da dieser im Vergleich zu einem Notar in Ihren Interessen agieren darf.

Ein Notar ist zwar nützlich um das Testament zu beglaubigen und um Fehler zu vermeiden, allerdings darf dieser nicht im Interesse der Partei handeln. Um bei der Weitergabe des Erbes richtige Entscheidungen zu treffen, macht es aber durchaus Sinn einen subjektiven Berater dabei zu haben. Wenn Ihr Testament nicht von einem Rechtsanwalt oder Notar aufgesetzt wird, können schnell Fehler passieren und dann können Familienmitglieder sogar das Testament anfechten . Diesen Fall sollten Sie aufjedenfall vermeiden.

Kosten eines Testaments in Österreich?

Was kostet es ein Testament zu erstellen?

Wenn man sein Testament von einem Notar oder einem Rechtsanwalt errichten lässt, fallen natürlich auch Kosten an. Sollte man das Testament ins Testamentsregister bei der österreichischen Notariatskammer eintragen lassen, so fallen zusätzlich dafür noch einmalige Gebühren an.

Die Kosten für einen Notar oder Rechtsanwalts fallen sehr  unterschiedlich aus. Normalerweise wird über einen Stundensatz oder einen Vertragswert in Höhe des Umfangs der bestehenden Erbschaftsumme abgerechnet. Für detailliertere Informationen über Kosten, fragen Sie allerdings einen Anwalt in einem Erstgespräch.

Welche Testamentsarten gibt es überhaupt?

Eigenhändiges Testament

Das Testament (Text) muss vom Testator eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden. Es ist zwar nicht gesetzlich vorgesehen den Tag und den Ort der Errichtung des letzten Willens anzugeben, zweckdienlich allerdings schon, denn ein späteres Testament hebt ein früheres auf, sofern ein Widerspruch zwischen den beiden Versionen besteht. Es genügt nicht einen durch eine andere Person verfassten, Maschinen geschriebenen Text zu unterschreiben, da die eindeutige Identifizierung hier nicht gegeben ist.

Sie wollen ihr Testament handschriftlich verfassen?

Tipp:

Sie sollten Ihr handschriftliches Testament von einem Zeugen unterschreiben lassen. Das beugt Erbrechtsstreitigkeiten vor. Des Weiteren gibt es unzählige Testament Vorlagen die Sie nutzen können, allerdings ist der Weg zu einem spezialisierten Rechtsanwalt für Erbrecht immer ratsam, denn ein richtiges Testament erspart viel Ärger.

Fremdhändiges Testament

2015 kam es im Zuge der Erbrechtsreform in Bezug auf die Formvorschriften für fremdhändige letztwillige Verfügungen zu erheblichen Änderungen. Das Missachten dieser Formvorschriften kann zur Ungültigkeit des Testaments führen, weswegen diesen eine große Bedeutung zukommt. Das fremdhändige Testament kann auf beliebige Art hergestellt werden kann (z.B. mit einer Schreibmaschine oder durch eine andere Person) und muss in Gegenwart von drei fähigen Zeugen durch den Verfügenden eigenhändig unterschrieben werden.

Zusätzlich muss sie mit dem eigenhändig Verfassten Nachsatz versehen werden, dass das Dokument den letzten Willen des Verfügenden enthält. Ein solcher Zusatz könnte beispielsweise lauten: „Diese Urkunde enthält meinen letzten Willen.“ Eine eigenhändige Unterschrift ist dennoch vonnöten.

Den Gesetzesmaterialen ist zu entnehmen, dass dieser eigenhändig zu schreibende Zusatz auch mit den Worten „Mein Wille“, „Das will ich“ oder „So soll es sein“, oder einer ähnlichen Formulierung zum Ausdruck gebracht werden kann. Aus der letztwilligen Verfügung muss die Identität der Zeugen hervorgehen, sie also mit Vor- und Familiennamen, sowie Adresse und Geburtsdatum genannt werden. Diese Angaben müssen nicht vom Zeugen eigenhändig angeführt werden, sondern auch fremdhändig geschrieben sein.

Allerdings muss der Zeuge das letztwillige Verfügung eigenhändig unterschreiben. Zusätzlich ist ein Zusatz  hinzuzufügen, der die Zeugenschaft eindeutig unterstreicht. Beispielsweise: „Hans Müller als Testamentszeuge.“ Die Zeugen müssen den Inhalt des Testaments nicht kennen. Zeugen müssen über achtzehn Jahre alt sein. Sie werden als fähige Zeugen bezeichnet.

Ausdrücklich ausgeschlossen als Zeugen sind Blinde, Taube, Stumme und Personen, die der Sprache des Testators nicht mächtig sind, oder diese aufgrund der eigenen geistigen Verfassung nicht für das Amt des Zeugen tauglich sind. Um den Anschein der Befangenheit auszuschließen, dürfen die im Testament Bedachten und nahe Angehörige dieser Person keine Testamentszeugen sein.

Tipp:

Ein fremdhändiges Testament birgt die Gefahr vieler Formfehler. Gehen Sie kein Risiko ein und lassen Sie sich zum Thema Testament von einem Rechtsanwalt für Erbrecht in Österreich beraten.

Mündliches Testament

Jeder kann einen mündlichen oder schriftlichen letzten Willen errichten, wenn er sich in unmittelbarer Gefahr zu sterben befindet oder ein Verlust der Testierfähigkeit droht, bevor die letztwillige Verfügung auf andere Weise erklärt werden kann. Damit sind auch Besachwalterte oder mündige Minderjährige gemeint. So etwas wird Nottestament genannt und zwei Zeugen sind dafür notwendig, die gleichzeitig zugegen sein müssen.

Drei Monate nach dem Wegfall der akuten Gefahr wird ein auf diese Weise erklärter letzter Wille ungültig. Dabei muss die drohende Gefahr des Todes oder des Verlustes der Testierfähigkeit bewiesen werden. Außerdem muss die Testierfähigkeit von vornherein gegeben sein, denn sonst könnte auch kein Verlust derselben drohen.

Eine so getane letztwillige Verfügung verliert ihre Gültigkeit, wenn sie nicht durch übereinstimmende Aussagen der zwei Zeugen bestätigt wird. Innerhalb von drei Jahren nach dem Tod des Testators müssen die Zeugen das Gehörte eidlich bekräftigen, sollte eine interessierte Person dies verlangen. Die große Gefahr dieser Testamentsform liegt darin: Der letzte Wille ist nur genau dann wirksam, wenn die Aussagen aller drei Zeugen übereinstimmen. Außerdem wird das Testament ungültig, wenn nicht mehr als zwei Zeugen vorhanden sind.

Inhalt eines Testaments

Was sollte in meinem Testament stehen?

Das Einsetzen eines oder mehrerer Erben ist der wichtigste Inhalt eines letzten Willens. Die Auswahl der Erben muss die Erben selbst bestimmen. (z.B: „Zur Alleinerbin meines gesamten Vermögens setze ich meine Tochter Julia ein.“ oder „Zu gleichteiligen Erben meines gesamten Vermögens setze ich meine Kinder Daniel und Julia ein.“) Vermächtnisse oder Legate, nennt man die Zuwendung von einzelnen Vermögensteilen an bestimmte Personen. (z.B: „Meine Münzensammlung vermache ich meinem Enkel Christian.“)

Die Erbeinsetzung oder die Vermächtnisse kann der Testator in der letztwilligen Verfügung von Bedingungen, Auflagen und Befristungen abhängig machen. Damit der Begünstigte die Zuwendung erhält, müssen Voraussetzungen oder eine Terminierung erfüllt sein, die bei der Bedingung oder Befristung aufgestellt werden. Ein weiterer Aspekt ist die sogenannte Auflage: Dabei wird ein sogenannter Beschwerter zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet. Bei Nichterfüllung dieser Auflage, verliert der Begünstigte die Zuwendung.

Ratschlag:

Es ist ratsam sich bezüglich Inhalt eines Testaments, insbesondere bei mehreren Erben oder Enterbungen genau zu informieren. Suchen Sie am Besten einen Anwalt für Erbrecht auf und informieren Sie sich genau welche Punkte Sie hierzu beachten sollten. Erbrechtsinfo.at bietet eine grosse Auswahl an passenden Anwälten für Erbrecht in Wien, Niederösterreich, Steiermark und anderen österreichischen Bundesländern.

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